Ein Giftköder-Verdacht ist immer ein Notfall
Hat Ihr Hund etwas Verdächtiges gefressen, wartet er nicht bis zur nächsten Sprechstunde. Die Tierärztekammer Nordrhein zählt das Verschlucken von Giften zu den wichtigsten Anzeichen für einen echten Notfall, neben Atemnot, Krampfanfällen und starken Blutungen.
Der Grund ist einfach. Sie wissen bei einem gefundenen Köder nicht, was darin war, wie viel Ihr Hund gefressen hat und wie lange das her ist. Genau das braucht die Praxis, um zu entscheiden, und aus der Ferne kann es niemand beurteilen. Schneckenkorn mit dem Wirkstoff Metaldehyd zeigt erste Anzeichen schon nach 30 Minuten bis 3 Stunden. Rattengift, das die Blutgerinnung hemmt, zeigt sie oft erst nach 2 bis 5 Tagen, und bis dahin wirkt Ihr Hund munter.
Was Sie mitnehmen und am Telefon sagen
Rufen Sie an, bevor Sie losfahren. Nach der Tierärztekammer Nordrhein ist diese Anmeldung im Notdienst notwendig, und oft klärt sich am Telefon schon, wie schnell Sie kommen sollen. Die Praxis kann außerdem den Behandlungsplatz vorbereiten, während Sie unterwegs sind.
- Sagen Sie am Telefon in wenigen Sätzen, was passiert ist, wann es passiert ist und wie schwer Ihr Hund ist.
- Sichern Sie Reste des Köders. Nehmen Sie sie mit einer Tüte oder einem Handschuh auf, nie mit bloßen Händen, und bringen Sie sie mit.
- Merken Sie sich die Uhrzeit, zu der Ihr Hund den Köder gefressen hat, so genau wie möglich.
- Hat Ihr Hund schon erbrochen, nehmen Sie auch das Erbrochene in einer Tüte mit. Es kann der Praxis helfen herauszufinden, was er gefressen hat.
- Bringen Sie den Impfpass oder Heimtierausweis und eine Liste der Medikamente mit, die Ihr Hund regelmäßig bekommt.
- Nehmen Sie Bargeld oder Ihre EC-Karte mit. Im Notdienst zahlen Sie meist direkt vor Ort.
Geben Sie Ihrem Hund nach einem Giftköder nichts
Im Internet kursieren viele Tipps, von Salz über Milch und Öl bis zu Kohletabletten. Die Tierärztekammer Nordrhein zählt verschluckte Gifte zu den Notfällen für die Praxis, nicht für die Hausapotheke. Jede Minute, die Sie mit Hausmitteln verbringen, fehlt dort.
- Lösen Sie kein Erbrechen aus. Ob Erbrechen sinnvoll ist, hängt vom Gift und vom Zustand Ihres Hundes ab. Das kann nur die Praxis beurteilen.
- Geben Sie kein Medikament aus Ihrer Hausapotheke. Arzneimittel für Menschen darf nur die Tierärztin bei einem Tier einsetzen, und auch sie nur, wenn es kein passendes Tierarzneimittel gibt.
- Verwenden Sie keine Reste eines Mittels, das Ihr Hund früher bekommen hat. Die Anweisung der Praxis galt für die damalige Krankheit, nicht für diesen Fall.
- Warten Sie nicht ab, ob es von allein besser wird. Bei manchem Rattengift sehen Sie die ersten Anzeichen erst nach Tagen, und dann ist wertvolle Zeit verloren.
- Werfen Sie den Köder nicht weg. Er ist oft das einzige Material, an dem sich später feststellen lässt, welches Gift darin war.
Der Giftnotruf ist für Menschen da
Die Giftinformationszentren der Länder beraten rund um die Uhr, wenn ein Mensch sich vergiftet hat. Für Tiere sind sie nicht die richtige erste Adresse. Das Zentrum in Mainz bittet ausdrücklich, sich bei einem vergifteten Tier direkt an eine Tierarztpraxis oder Tierklinik zu wenden, weil Anfragen zu Menschen Vorrang haben. Ihr erster Anruf gilt deshalb der Praxis oder dem Notdienst.
Den Giftnotruf brauchen Sie, wenn ein Mensch den Köder angefasst oder in den Mund genommen hat, etwa ein Kind. Für Berlin und Brandenburg erreichen Sie den Giftnotruf der Charité unter 030 19240. Für Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Hamburg und Bremen ist das Giftinformationszentrum-Nord in Göttingen unter 0551 19240 zuständig. Bei Bewusstlosigkeit oder Atemnot eines Menschen wählen Sie sofort die 112.
Was kostet der Notdienst bei einem Giftköder?
Ein Giftköder trifft selten die Sprechstunde. Nachts, am Wochenende und an Feiertagen berechnet der tierärztliche Notdienst das Zwei- bis Vierfache des einfachen Preises aus der Gebührenordnung für Tierärzte, kurz GOT. Dazu kommen einmal 50 Euro Notdienstgebühr und auf alles 19 Prozent Umsatzsteuer.
Die Untersuchung kostet im einfachen Satz 23,62 Euro und im Notdienst mindestens 47,24 Euro. Eine Infusion steigt von 42,00 Euro auf 84,00 Euro, eine Wiederbelebung je angefangene 15 Minuten von 85,33 Euro auf 170,66 Euro. Welche Posten anfallen, entscheidet der Befund.
| Leistung | Nummer auf der Rechnung | Einfacher Satz | Notdienst, zweifacher Satz |
|---|---|---|---|
| Untersuchung mit Beratung | 16 | 23,62 Euro | 47,24 Euro |
| Spritze unter die Haut oder in den Muskel | 221 | 11,50 Euro | 23,00 Euro |
| Venenkatheter legen | 225 | 14,62 Euro | 29,24 Euro |
| Infusion über einen Tropf | 234 | 42,00 Euro | 84,00 Euro |
| Sauerstoff über eine Maske, je angefangene 15 Minuten | 346 | 18,29 Euro | 36,58 Euro |
| Kleines Blutbild aus dem Gerät | 617 | 20,80 Euro | 41,60 Euro |
| Wiederbelebung, je angefangene 15 Minuten | 354 | 85,33 Euro | 170,66 Euro |
| Unterbringung in der Praxis, Hund, je Tag | 83 | 19,08 Euro | 38,16 Euro |
Rechnen Sie einen mittleren Verlauf einmal durch. Untersuchung, Venenkatheter, Infusion, kleines Blutbild und eine Nacht in der Praxis ergeben im zweifachen Satz 240,24 Euro, mit Steuer 285,89 Euro. Mit der Notdienstgebühr von 59,50 Euro sind das rund 345,39 Euro. Medikamente berechnet die Praxis gesondert, und bei einem schweren Verlauf kann die Summe ein Vielfaches erreichen.
Giftköder gefunden, so melden Sie ihn
Wer Giftköder auslegt, macht sich strafbar. Wer einen Hund oder ein anderes Wirbeltier ohne vernünftigen Grund tötet, dem drohen nach dem Tierschutzgesetz bis zu 3 Jahre Haft oder eine Geldstrafe. Dasselbe gilt, wenn jemand einem Tier aus Rohheit oder über längere Zeit erhebliche Schmerzen zufügt. Daneben kommt eine Sachbeschädigung in Betracht, und wie der Fall einzuordnen ist, prüfen Polizei und Staatsanwaltschaft.
Fundstelle festhalten
Fotografieren Sie den Köder dort, wo er liegt, bevor Sie ihn aufheben. Notieren Sie Straße, Uhrzeit und die genaue Stelle.
Köder sichern
Nehmen Sie den Köder mit einer Tüte oder einem Handschuh auf und geben Sie ihn der Praxis. Nur eine Untersuchung des Materials macht aus dem Verdacht ein bekanntes Gift.
Anzeige bei der Polizei
Erstatten Sie Anzeige bei der Polizei. Nehmen Sie die Fotos, den Befund der Praxis und die Rechnung mit.
Veterinäramt informieren
Melden Sie den Fund auch dem Veterinäramt Ihres Kreises oder Ihrer Stadt. Es ist für den Tierschutz zuständig und erfährt sonst nichts von dem Fall.
Häufige Fragen
Ist ein Giftköder beim Hund ein Fall für den Notdienst?
Ja, ein Giftköder beim Hund ist ein Notfall. Die Tierärztekammer Nordrhein zählt verschluckte Gifte zu den wichtigsten Anzeichen für einen echten Notfall. Rufen Sie vorher an und fahren Sie dann sofort los.
Soll ich bei meinem Hund nach einem Giftköder Erbrechen auslösen?
Nein, lösen Sie bei Ihrem Hund nach einem Giftköder kein Erbrechen aus. Ob Erbrechen sinnvoll ist, hängt vom Gift und vom Zustand des Hundes ab. Das entscheidet die Tierärztin nach der Untersuchung.
Hilft der Giftnotruf, wenn mein Hund einen Giftköder gefressen hat?
Nein, bei einem vergifteten Hund ist die Tierarztpraxis die richtige erste Adresse, nicht der Giftnotruf. Das Giftinformationszentrum in Mainz bittet ausdrücklich, sich bei Tieren direkt an eine Praxis oder Tierklinik zu wenden. Den Giftnotruf brauchen Sie, wenn ein Mensch den Köder angefasst oder gegessen hat.
Was kostet die Behandlung nach einem Giftköder im Notdienst?
Eine Nacht im Notdienst nach einem Giftköder kostet mit einfacher Versorgung rund 345,39 Euro. Darin stecken Untersuchung, Venenkatheter, Infusion, kleines Blutbild und eine Nacht in der Praxis im zweifachen Satz, Steuer und Notdienstgebühr. Medikamente und weitere Leistungen kommen dazu.
Ist das Auslegen von Giftködern strafbar?
Ja, das Auslegen von Giftködern ist strafbar. Wer dadurch ein Tier tötet, dem drohen nach dem Tierschutzgesetz bis zu 3 Jahre Haft oder eine Geldstrafe. Die Anzeige nimmt die Polizei entgegen.
Soll ich einen gefundenen Giftköder aufheben oder liegen lassen?
Einen gefundenen Giftköder heben Sie auf und bringen ihn mit, aber nie mit bloßen Händen. Fotografieren Sie vorher die Fundstelle mit Ort und Uhrzeit. Nehmen Sie den Köder dann mit einer Tüte oder einem Handschuh auf, denn nur an ihm lässt sich das Gift feststellen.
