Was ein schwerer Fall beim Tierarzt kostet
Ob sich eine Versicherung für Sie rechnet, hängt von einer Zahl ab. Gemeint ist der Betrag, den Sie im schlimmsten Fall innerhalb weniger Tage aufbringen müssten. Diesen Betrag können Sie selbst ausrechnen, denn die Gebührenordnung für Tierärzte, kurz GOT, nennt für jede Leistung einen Grundpreis. Die Praxis darf das Ein- bis Dreifache davon berechnen, im Notdienst das Zwei- bis Vierfache.
Die teuerste Zeile ist die Operation bei Magendrehung mit 915,88 Euro im dreifachen Satz mit Steuer. Ein Kaiserschnitt bei der Hündin kostet bis 654,63 Euro, ein Harnkatheter beim Kater oder Rüden bis 70,61 Euro.
| Leistung | Nummer auf der Rechnung | einfacher Satz | dreifacher Satz | dreifacher Satz mit Steuer |
|---|---|---|---|---|
| Operation bei Magendrehung des Hundes | 470 | 256,55 Euro | 769,65 Euro | 915,88 Euro |
| Amputation eines ganzen Beins | 850 | 197,90 Euro | 593,70 Euro | 706,50 Euro |
| Kaiserschnitt bei der Hündin | 590 | 183,37 Euro | 550,11 Euro | 654,63 Euro |
| Kaiserschnitt bei der Katze | 591 | 144,27 Euro | 432,81 Euro | 515,04 Euro |
| Harnkatheter beim Kater oder Rüden | 988 | 19,78 Euro | 59,34 Euro | 70,61 Euro |
| Narkose mit Gas | 337 | 61,57 Euro | 184,71 Euro | 219,80 Euro |
| Aufenthalt in der Klinik, Hund, je Tag | 83 | 19,08 Euro | 57,24 Euro | 68,12 Euro |
Ein Fall in der Praxis besteht meist aus mehreren Zeilen. Rechnen Sie die Operation bei Magendrehung, die Narkose mit Gas, drei Tage in der Klinik und die Untersuchung im dreifachen Satz zusammen, ergibt das 1.196,94 Euro. Mit Steuer sind es 1.424,36 Euro, und jeder Tag in der Klinik kostet für einen Hund allein 22,71 bis 68,12 Euro. Kommt der Fall nachts, gelten die höheren Sätze des Notdienstes. Dazu kommt die Notdienstgebühr, mit Steuer 59,50 Euro.
OP-Schutz oder Vollschutz für Hund und Katze
Tierkrankenversicherungen gibt es in zwei Grundformen. Ein OP-Schutz zahlt für Operationen. Was rund um den Eingriff dazugehört, etwa die Voruntersuchung oder die Nachsorge, regeln die Bedingungen des Tarifs. Ein Vollschutz zahlt auch Behandlungen ohne Operation, also Untersuchungen, Labor, Ultraschall und Medikamente.
Welche Form passt, hängt davon ab, welches Risiko Sie nicht selbst tragen können. Eine Untersuchung für höchstens 84,32 Euro mit Steuer zahlen Sie vielleicht aus eigener Tasche, eine Operation mit Klinik für 1.424,36 Euro vielleicht nicht. Wer nur die großen Beträge absichern will, kommt mit einem OP-Schutz aus. Wer auch viele kleinere Rechnungen erstattet haben möchte, braucht einen Vollschutz und zahlt dafür mehr Beitrag.
5 Klauseln, die über Ihren Versicherungsschutz entscheiden
Der Beitrag sagt wenig darüber, ob im Ernstfall Geld fließt. Das steht in den Versicherungsbedingungen, und diese 5 Punkte sollten Sie dort vor der Unterschrift nachlesen.
- Prüfen Sie, bis zu welchem Satz der Tarif zahlt. Zahlt er nur bis zum zweifachen Satz, erstattet er im Fall mit der Magendrehung 949,57 Euro, und 474,79 Euro bleiben bei Ihnen.
- Klären Sie, ob der Tarif die Notdienstgebühr zahlt. Die 50 Euro stehen im Regeltext der GOT und haben keine Nummer in der Preisliste. Tarife, die nur Leistungen aus der Preisliste erstatten, können sie deshalb ausschließen.
- Fragen Sie nach einer Wartezeit. Steht ein Termin schon an, kommt ein neuer Vertrag mit Wartezeit zu spät.
- Vergleichen Sie Selbstbeteiligung und Erstattung. Bei 80 Prozent Erstattung zahlen Sie von 1.424,36 Euro selbst 284,87 Euro, eine Selbstbeteiligung kommt noch hinzu.
- Lesen Sie die Höchstgrenzen und Ausschlüsse. Achten Sie auf Jahreshöchstbeträge, auf Ausschlüsse für Zähne oder rassetypische Krankheiten und auf alles, was vor Vertragsbeginn bekannt war.
Gesundheitsfragen im Antrag ehrlich beantworten
Im Antrag fragt der Versicherer nach Krankheiten Ihres Tieres. Angeben müssen Sie, wonach er im Antrag ausdrücklich fragt und was Sie wissen. Was niemand fragt, müssen Sie nicht von sich aus erzählen.
Machen Sie falsche Angaben, kommt es darauf an, wie schwer der Fehler wiegt. Wer absichtlich oder grob fahrlässig etwas verschweigt, riskiert den Rücktritt vom ganzen Vertrag. Grob fahrlässig heißt, dass Sie sehr leichtsinnig waren. War es ein leichtes Versehen, darf der Versicherer nur mit einer Frist von einem Monat kündigen.
Hätte er Sie auch mit diesem Wissen versichert, nur zu anderen Bedingungen, gelten bei Versehen oder grober Fahrlässigkeit diese Bedingungen rückwirkend, wenn er das verlangt. Alle diese Rechte hat der Versicherer nur, wenn er Sie vorher in einer eigenen Mitteilung auf die Folgen hingewiesen hat.
- Legen Sie vor dem Ausfüllen Impfpass, Befunde und Rechnungen der letzten Jahre bereit.
- Beantworten Sie jede Frage genau so weit, wie sie reicht. Fragt der Antrag nach den letzten zwölf Monaten, geht es nur um diese Zeit.
- Geben Sie im Zweifel lieber mehr an. Ein angegebener Befund führt vielleicht zu einem Ausschluss, ein verschwiegener kann den ganzen Vertrag kosten.
- Lassen Sie sich mündliche Angaben schriftlich bestätigen.
- Heben Sie eine Kopie des ausgefüllten Antrags auf.
Tierhalterhaftpflicht ist eine andere Versicherung
Die Tierkrankenversicherung zahlt für Ihr Tier. Die Haftpflicht zahlt für Schäden, die Ihr Tier anderen zufügt. Verletzt Ihr Hund einen Menschen oder beschädigt er eine Sache, haften Sie dafür, auch ohne eigenes Verschulden.
Verletzt Ihr Hund ein anderes Tier, müssen Sie die Kosten seiner Behandlung ersetzen. Die Kosten dürfen dabei deutlich über dem Wert des verletzten Tieres liegen.
In manchen Bundesländern ist die Haftpflicht für Hunde Pflicht. Niedersachsen verlangt für jeden Hund über sechs Monate mindestens 500.000 Euro für Personenschäden und 250.000 Euro für Sachschäden. Berlin verlangt mindestens 1 Million Euro je Schadensfall und höchstens 500 Euro Selbstbeteiligung im Jahr. Eine bundesweite Regel gibt es nicht, es gilt das Hundegesetz Ihres Landes.
Wann eine Rücklage die Versicherung ersetzt
Ein fester Maßstab hilft beim Vergleich. Nehmen Sie den Fall mit der Magendrehung und rechnen Sie für jedes Angebot aus, was es davon erstattet. Erst dann sehen Sie Unterschiede, die der Beitrag nicht zeigt. Grundlage sind die üblichen Tierarztkosten für Hund und Katze nach der GOT.
Könnten Sie eine Rechnung von 1.424,36 Euro innerhalb eines Monats bezahlen?
Liegt dieses Geld als Rücklage bereit, die Sie sonst nicht anrühren?
Ihre Rücklage erfüllt denselben Zweck und kostet keinen Beitrag. Vergleichen Sie den Jahresbeitrag mit dem, was Sie selbst ansparen.
Dann fehlt das Geld im Ernstfall vielleicht doch. Ein OP-Schutz deckt genau die großen Rechnungen ab.
Ist Ihr Tier jung und ohne bekannte Krankheit?
Jetzt bekommen Sie am ehesten einen Vertrag ohne Ausschlüsse. Achten Sie auf den erstatteten Satz, die Wartezeit und die Höchstgrenzen.
Geben Sie bekannte Krankheiten im Antrag an, sonst riskieren Sie den ganzen Vertrag. Rechnen Sie mit Ausschlüssen oder anderen Bedingungen.
Reicht das Geld im Ernstfall trotzdem nicht, sprechen Sie früh mit der Praxis. Wer eine Tierarztrechnung nicht bezahlen kann, fragt am besten nach Raten, bevor die Frist abläuft.
Häufige Fragen
Bis zu welchem Satz sollte eine Tierkrankenversicherung zahlen?
Eine Tierkrankenversicherung sollte bis zum dreifachen Satz der Gebührenordnung für Tierärzte zahlen, im Notdienst bis zum vierfachen. Zahlt ein Tarif nur bis zum zweifachen Satz, bleibt bei einer Rechnung im dreifachen Satz ein Drittel der Gebühren bei Ihnen. Im Notdienst kann es die Hälfte sein.
Was passiert, wenn ich eine Vorerkrankung im Antrag der Tierkrankenversicherung verschweige?
Verschweigen Sie eine Vorerkrankung absichtlich oder grob fahrlässig, kann der Versicherer vom ganzen Vertrag zurücktreten. Bei einem leichten Versehen darf er mit einem Monat Frist kündigen. Hätte er Sie auch zu anderen Bedingungen versichert, kann er bei Versehen oder grober Fahrlässigkeit verlangen, dass diese Bedingungen rückwirkend gelten.
Zahlt die Tierkrankenversicherung auch die Notdienstgebühr?
Ob eine Tierkrankenversicherung die Notdienstgebühr zahlt, hängt vom Tarif ab. Die Notdienstgebühr von 50 Euro plus Steuer steht im Regeltext der Gebührenordnung für Tierärzte und hat keine Nummer in deren Preisliste. Tarife, die nur Leistungen aus der Preisliste erstatten, können sie deshalb ausschließen.
Wer zahlt, wenn mein Hund einen anderen Hund verletzt?
Sie als Halter zahlen den Schaden, auch wenn Sie nichts falsch gemacht haben, oder Ihre Hundehaftpflicht übernimmt ihn. Die Tierarztkosten des verletzten Hundes dürfen dabei deutlich über seinem Wert liegen. Eine Tierkrankenversicherung zahlt dafür nicht, sie gilt nur für Ihr eigenes Tier.
Ist eine Hundehaftpflicht in jedem Bundesland Pflicht?
Nein, eine bundesweite Pflicht zur Hundehaftpflicht gibt es nicht. Sie ergibt sich aus dem Hundegesetz Ihres Landes. Niedersachsen verlangt sie für jeden Hund über sechs Monate, Berlin mit mindestens 1 Million Euro Deckung je Schadensfall.
