Wann die Tierarztrechnung fällig ist
Eine Tierarztrechnung ist fällig, sobald Sie sie bekommen. Ohne Rechnung ist die Vergütung der Praxis noch nicht fällig. Wie hoch die einzelnen Tierarztkosten für Hund und Katze sein dürfen, legt die Gebührenordnung für Tierärzte fest.
In Verzug geraten Sie, wenn die Praxis Sie nach der Fälligkeit mahnt und Sie trotzdem nicht zahlen. Ohne Mahnung geraten Sie spätestens 30 Tage nach Zugang der Rechnung in Verzug. Das gilt aber nur, wenn die Rechnung Sie ausdrücklich auf diese Folge hinweist. Verzug bedeutet, dass die Praxis ab dann Zinsen und weitere Kosten verlangen darf.
Die Verzugszinsen liegen 5 Prozentpunkte über dem Basiszinssatz, den die Bundesbank zweimal im Jahr bekannt gibt. Seit dem 1. Juli 2026 liegt er bei 1,52 Prozent, die Verzugszinsen also bei 6,52 Prozent im Jahr. Bei einer offenen Rechnung über 400 Euro sind das 26,08 Euro im Jahr.
Ratenzahlung beim Tierarzt rechtzeitig vereinbaren
Je früher Sie die Praxis ansprechen, desto mehr Spielraum bleibt. Rufen Sie an oder gehen Sie hin, bevor die Zahlungsfrist abläuft. Sagen Sie offen, welchen Betrag Sie im Monat sicher zahlen können.
- Nennen Sie einen festen Betrag und einen festen Tag im Monat, den Sie sicher einhalten können.
- Lassen Sie sich die Ratenvereinbarung schriftlich geben, mit Betrag, Terminen und Restsumme.
- Fragen Sie, ob für die Raten Zinsen oder Gebühren anfallen.
- Zahlen Sie die erste Rate pünktlich. Klappt eine Rate nicht, melden Sie sich vor dem Termin.
Manche Praxen geben ihre Rechnungen an eine Abrechnungsstelle. Diese Firma kauft der Praxis die Forderung ab und wird damit Ihr neuer Gläubiger, also die Stelle, an die Sie zahlen. Fragen Sie auch dort nach Raten oder einem späteren Zahlungsziel.
Damit die Praxis Ihre Daten und Befunde an eine Abrechnungsstelle geben darf, müssen Sie sie von ihrer Schweigepflicht befreien. In Bayern steht diese Pflicht zum Schweigen in der Berufsordnung der Tierärzte. Lesen Sie die Einwilligung deshalb, bevor Sie unterschreiben.
Wer hilft, wenn Sie Tierarztkosten nicht bezahlen können
Für Tierarztkosten gibt es keine Krankenkasse, die einspringt. Auch das Jobcenter zahlt in der Regel nicht für Haustiere. Das Landessozialgericht Baden-Württemberg hat 2023 entschieden, dass die Haltung eines Hundes nicht zu dem gehört, was der Staat zum Leben sichern muss.
Tiertafeln geben Futter an Menschen mit wenig Geld, und manche helfen auch bei Tierarztkosten. Die Berliner Tiertafel etwa übernimmt für angemeldete Halter Kosten für Impfungen und Kastrationen, frühestens 3 Monate nach der Anmeldung. Sie verlangt einen Einkommensnachweis, zum Beispiel einen Bescheid vom Jobcenter. Außerdem muss das Tier schon vor der Notlage bei Ihnen gelebt haben.
Fragen Sie auch beim Tierschutzverein in Ihrer Nähe, ob er in einer Notlage helfen kann.
Reicht Ihr Geld insgesamt nicht mehr, wenden Sie sich an eine anerkannte Schuldnerberatung. Seriöse Schuldnerberatung ist kostenlos. Vorsicht bei Anbietern, die dafür Gebühren verlangen.
Was nach einer Mahnung vom Tierarzt passiert
Zahlen Sie nicht, folgen meist Mahnungen, dann Briefe eines Inkassobüros und am Ende ein Mahnbescheid vom Gericht. Ein Inkassobüro ist eine Firma, die offene Rechnungen für andere eintreibt. Prüfen Sie die Inkassokosten genau, die Verbraucherzentralen bieten dafür einen kostenlosen Inkasso-Check an.
Rechnung
Mit der Rechnung wird der Betrag fällig. Weist sie auf die Folgen hin, sind Sie nach 30 Tagen ohne Zahlung in Verzug.
Mahnung
Die Praxis oder die Abrechnungsstelle erinnert Sie. Ab jetzt dürfen Verzugszinsen dazukommen.
Inkasso
Ein Inkassobüro fordert das Geld ein. Lassen Sie die Kosten prüfen, bevor Sie zahlen.
Mahnbescheid
Das Gericht schickt einen Mahnbescheid, ohne zu prüfen, ob die Forderung stimmt. Sie haben 2 Wochen, um zu zahlen oder zu widersprechen.
Vollstreckungsbescheid
Reagieren Sie nicht, folgt der Vollstreckungsbescheid. Auch dagegen haben Sie 2 Wochen, danach darf ein Gerichtsvollzieher das Geld eintreiben.
Schulden Sie das Geld, legen Sie keinen Widerspruch ein, nur um Zeit zu gewinnen. Dann folgt ein Prozess, und die zusätzlichen Gerichts- und Anwaltskosten trägt am Ende, wer verliert. Stimmt nur ein Teil nicht, etwa die Zinsen, können Sie auch nur diesem Teil widersprechen.
Darf die Praxis Ihr Tier bis zur Zahlung behalten?
Gerichte haben das unterschiedlich entschieden. Das Landgericht Mainz erlaubte es 2002 einer Tierklinik, einen Hund bis zur Zahlung zu behalten. Es betonte aber, dass das nicht gilt, wenn das Tier unter der Trennung leidet oder besonders an seinem Halter hängt. Das Amtsgericht Duisburg lehnte es 2009 ab, weil die Trennung einem Hund dauerhaft schaden kann.
Ohne Rechnung ist die Vergütung nach der Gebührenordnung für Tierärzte gar nicht fällig. Verweigert eine Praxis die Herausgabe Ihres Tieres, lassen Sie sich sofort rechtlich beraten.
Pfänden darf ein Gerichtsvollzieher Ihr Haustier in aller Regel nicht. Tiere, die Sie nicht zum Geldverdienen halten, sind unpfändbar, ebenso ihr Futter. Nur bei einem Tier von hohem Wert kann das Gericht eine Ausnahme zulassen.
Wann eine Tierarztrechnung verjährt
Eine Tierarztrechnung verjährt nach 3 Jahren. Die Frist beginnt am Ende des Jahres, in dem die Forderung entstanden ist. Eine Rechnung aus dem Jahr 2026 verjährt also mit Ablauf des 31. Dezember 2029.
Verlassen Sie sich nicht darauf. Schon die Zustellung eines Mahnbescheids hält die Verjährung an, und bis dahin wachsen Zinsen und Kosten.
So bleibt die nächste Tierarztrechnung bezahlbar
Fragen Sie vor jedem planbaren Eingriff nach einem Kostenvoranschlag und nach der Spanne vom einfachen bis zum dreifachen Satz. Schreiben Sie in den Auftrag, dass die Praxis Sie anruft, bevor die Kosten darüber steigen.
Eine Rücklage oder eine Tierkrankenversicherung fängt große Rechnungen ab. Eine Operation bei Magendrehung des Hundes mit Narkose und drei Tagen Klinik kostet 1.424,36 Euro mit Steuer, gerechnet im dreifachen Satz.
Im Notdienst gelten höhere Sätze und eine Notdienstgebühr von 50 Euro plus Steuer. Fragen Sie am Telefon, ob Ihr Tier sofort kommen muss oder bis zur Sprechstunde warten kann.
Häufige Fragen
Kann ich eine Tierarztrechnung in Raten bezahlen?
Ja, eine Tierarztrechnung können Sie in Raten bezahlen, wenn die Praxis zustimmt. Die Rechnung ist fällig, sobald Sie sie bekommen, Raten sind deshalb eine Vereinbarung mit der Praxis. Fragen Sie früh und lassen Sie sich Betrag und Termine schriftlich bestätigen.
Zahlt das Jobcenter die Tierarztrechnung für meinen Hund?
Nein, in der Regel zahlt das Jobcenter keine Tierarztkosten. Das Landessozialgericht Baden-Württemberg hat 2023 entschieden, dass die Haltung eines Hundes nicht zu dem gehört, was der Staat zum Leben sichern muss. Fragen Sie stattdessen bei einer Tiertafel nach und vereinbaren Sie Raten mit der Praxis.
Darf der Tierarzt meinen Hund behalten, wenn ich die Rechnung nicht bezahle?
Ob der Tierarzt Ihren Hund bis zur Zahlung behalten darf, ist umstritten. Das Landgericht Mainz hat es 2002 einer Tierklinik erlaubt, das Amtsgericht Duisburg hat es 2009 abgelehnt. Verweigert eine Praxis die Herausgabe Ihres Tieres, lassen Sie sich sofort rechtlich beraten.
Was passiert, wenn ich einen Mahnbescheid für eine Tierarztrechnung ignoriere?
Ignorieren Sie einen Mahnbescheid, kann ein Vollstreckungsbescheid folgen, und danach darf ein Gerichtsvollzieher das Geld für die Tierarztrechnung eintreiben. Gegen beide Bescheide haben Sie jeweils 2 Wochen Zeit. Schulden Sie das Geld, zahlen Sie oder fragen Sie nach Raten.
Wann verjährt eine Tierarztrechnung?
Eine Tierarztrechnung verjährt nach 3 Jahren, gerechnet ab dem Ende des Jahres, in dem die Forderung entstanden ist. Eine Rechnung von 2026 verjährt also mit Ablauf des 31. Dezember 2029. Ein Mahnbescheid hält die Verjährung an.
Darf mein Haustier wegen Schulden gepfändet werden?
Nein, in aller Regel darf ein Haustier nicht gepfändet werden. Tiere, die Sie nicht zum Geldverdienen halten, sind unpfändbar, ebenso das nötige Futter. Nur bei einem Tier von hohem Wert kann das Gericht eine Ausnahme zulassen.
