Was eine Tierklinik von einer Tierarztpraxis unterscheidet
Eine Tierklinik ist eine Tierarztpraxis, die zusätzlich kranke Tiere stationär aufnimmt. Stationär heißt, dass Ihr Tier über Nacht oder mehrere Tage dort bleibt und versorgt wird. So beschreibt es die Klinikrichtlinie der Bayerischen Landestierärztekammer, und sie nennt die Klinik eine Erweiterung der Möglichkeiten einer Praxis.
Den Namen Klinik vergibt die Tierärztekammer, nicht der Betrieb selbst. In Bayern braucht eine Klinik eine Genehmigung der Landestierärztekammer, und der Bezirksverband prüft sie spätestens alle 5 Jahre erneut. In Westfalen-Lippe lässt die Tierärztekammer eine Klinik jeweils für 4 Jahre zu. Dort sind ausdrücklich auch die Wörter Tierklinik und Klinik geschützt.
Kliniken sind selten. Ende 2025 gab es in Deutschland 129 Tierkliniken und rund 10.385 Tierarztpraxen, so zählte es die Bundestierärztekammer. Auf eine Klinik kamen also rechnerisch rund 80 Praxen.
Eine Tierklinik ist rund um die Uhr dienstbereit
Das wichtigste Merkmal einer Tierklinik ist die Bereitschaft für Notfälle, Tag und Nacht, das ganze Jahr. In Bayern genügt es dafür, wenn ein Tierarzt in der Klinik ist oder in kurzer Zeit dort sein kann. Benachbarte Kliniken dürfen sich den Nachtdienst mit Erlaubnis teilen, müssen dann aber bekannt machen, welche Klinik gerade Dienst hat.
In Westfalen-Lippe muss eine Klinik ständig dienstbereit und besetzt sein. Dienstbereit sind dort mindestens zwei Tierärzte oder ein Tierarzt mit einer Hilfskraft, und eine Person ist immer vor Ort.
Für Sie heißt das: Rufen Sie vor der Fahrt an. So erfahren Sie, ob die Klinik Ihr Tier gerade aufnehmen kann oder auf eine andere Klinik verweist. Wie Sie nachts den tierärztlichen Notdienst erreichen, ist von Region zu Region verschieden.
Wie viel Personal und Technik eine Tierklinik braucht
Für eine Klinik für Hunde und Katzen verlangen die Kammern mehr als für eine Praxis. In Bayern sind es mindestens 4 ganztags arbeitende Tierärzte und 4 weitere Mitarbeiter, in Westfalen-Lippe 3 Tierärzte und 5 Hilfskräfte in Vollzeit. Westfalen-Lippe verlangt zusätzlich mindestens einen Fachtierarzt in Vollzeit.
| Anforderung | Bayern | Westfalen-Lippe |
|---|---|---|
| Tierärzte | mindestens 4, ganztags | mindestens 3, in Vollzeit |
| Weitere Mitarbeiter | mindestens 4, davon 2 Tiermedizinische Fachangestellte | mindestens 5, davon 3 Tiermedizinische Fachangestellte |
| Fachtierarzt | nicht verlangt | mindestens 1, in Vollzeit |
| Plätze für Tiere über Nacht | mindestens 10 | mindestens 12 |
| Eigener Raum für ansteckende Tiere | verlangt | verlangt |
| Narkose mit Gas und Überwachung | verlangt | verlangt, 2 Geräte |
| Röntgen, Ultraschall, EKG und Labor | nicht einzeln vorgeschrieben | verlangt |
In Bayern verlangt die Richtlinie dazu eine Ausstattung nach dem Stand der Tiermedizin, aber kein bestimmtes Röntgengerät. Westfalen-Lippe zählt die Geräte einzeln auf, bis hin zu 2 Operationsräumen.
Was Fachklinik und Fachtierarzt bedeuten
Manche Kliniken tragen einen Zusatz im Namen, etwa Tierärztliche Klinik für Kleintiere. In Bayern ist das erlaubt, wenn dort überwiegend diese Tiere behandelt werden. Fachklinik für ein bestimmtes Gebiet darf sich eine Klinik in Bayern nur nennen, wenn ihre Inhaber dafür als Fachtierarzt anerkannt sind.
Ein Fachtierarzt hat nach dem Studium eine Weiterbildung von mehreren Jahren und eine Prüfung bei der Kammer abgeschlossen. Einen Fachtierarzt gibt es auch in mancher Praxis. Der Titel hängt an der Person, nicht am Betrieb.
Kostet die Tierklinik mehr als die Praxis?
Klinik und Praxis rechnen nach derselben Gebührenordnung für Tierärzte, kurz GOT. Sie gilt ausdrücklich auch, wenn eine Firma die Klinik betreibt. Eine Untersuchung von Hund oder Katze kostet deshalb in der Sprechstunde überall 23,62 bis 70,86 Euro ohne Steuer.
Teurer wird es durch Leistungen, die vor allem Kliniken erbringen. Ein Tag in der Klinik kostet für einen Hund 19,08 Euro im einfachen Satz und 57,24 Euro im dreifachen Satz, ohne Behandlung und ohne Futter. Für eine Katze sind es 11,45 bis 34,35 Euro. Nachts, am Wochenende und an Feiertagen gilt außerhalb der Sprechzeiten der Notdienst mit 50 Euro Notdienstgebühr plus Steuer.
| Leistung | Nummer auf der Rechnung | einfacher Satz | dreifacher Satz |
|---|---|---|---|
| Allgemeine Untersuchung mit Beratung | 16 | 23,62 Euro | 70,86 Euro |
| Aufenthalt über Nacht, Hund, je Tag | 83 | 19,08 Euro | 57,24 Euro |
| Aufenthalt über Nacht, Katze, je Tag | 84 | 11,45 Euro | 34,35 Euro |
| Narkose mit Gas | 337 | 61,57 Euro | 184,71 Euro |
Ob eine Klinik einen höheren Satz wählt als Ihre Praxis, entscheidet sie im Einzelfall. Fragen Sie vor einem geplanten Eingriff nach den voraussichtlichen Kosten.
Wann Ihr Tier in eine Tierklinik gehört
Ein Notfall liegt vor, wenn ohne sofortige Hilfe starke Schmerzen, ein schwerer Schaden oder der Tod drohen. So beschreiben es die beiden Tierärztekammern in Nordrhein-Westfalen. Impfungen, Routinebehandlungen und Beschwerden, die schon länger bestehen und nicht lebensbedrohlich sind, nennt die Tierärztekammer Hamburg ausdrücklich keine Notfälle.
- Ihr Tier braucht nachts oder am Wochenende Hilfe, und Ihre Praxis hat keinen Dienst.
- Ihr Tier muss nach einer Operation oder bei einer schweren Krankheit über Nacht überwacht werden.
- Ihre Praxis kann Ihr Tier selbst nicht behandeln und überweist es. In Bayern und Westfalen-Lippe muss sie das dann tun und die Befunde weitergeben.
Im Notdienst stabilisiert die Klinik Ihr Tier und lindert Schmerzen. Die weitere Behandlung übernimmt meist wieder Ihre Praxis, so beschreibt es die Tierärztekammer Hamburg.
Wo es wie viele Tierkliniken gibt
Die Tierkliniken sind ungleich verteilt. Die meisten zählte die Bundestierärztekammer Ende 2025 in Bayern mit 23 und in Niedersachsen mit 22, in Bremen und Sachsen-Anhalt gab es keine. Als Kliniken für Kleintiere waren bundesweit 56 gezählt, ein Teil der bayerischen Zahlen ist geschätzt.
| Kammerbezirk | Tierarztpraxen | Tierkliniken | davon für Kleintiere |
|---|---|---|---|
| Baden-Württemberg | 939* | 9 | 2 |
| Bayern | 2.068* | 23* | 9* |
| Berlin | 314 | 4 | 2 |
| Brandenburg | 530 | 3 | 0 |
| Bremen | 49 | 0 | 0 |
| Hamburg | 144 | 3 | 3 |
| Hessen | 884 | 8 | 5 |
| Mecklenburg-Vorpommern | 230 | 5 | 3 |
| Niedersachsen | 1.323* | 22 | 7 |
| Nordrhein | 987 | 17 | 10 |
| Westfalen-Lippe | 857 | 9 | 1 |
| Rheinland-Pfalz | 525* | 9 | 6 |
| Saarland | 105 | 2 | 1 |
| Sachsen | 475 | 2 | 2 |
| Sachsen-Anhalt | 220* | 0 | 0 |
| Schleswig-Holstein | 490 | 11 | 4 |
| Thüringen | 245 | 2 | 1 |
Eine Klinik für Kleintiere ist deshalb oft weiter entfernt als die nächste Praxis. Klären Sie am besten schon vor einem Notfall, welche Klinik Sie nachts erreichen.
Häufige Fragen
Darf sich jede Tierarztpraxis Tierklinik nennen?
Nein, den Namen Tierklinik darf eine Tierarztpraxis nur mit Erlaubnis der Tierärztekammer führen. In Bayern braucht sie dafür eine Genehmigung der Landestierärztekammer. In Westfalen-Lippe lässt die Kammer eine Klinik für jeweils 4 Jahre zu, und auch die Wörter Tierklinik und Klinik sind dort geschützt.
Ist eine Tierklinik nachts immer mit einem Tierarzt besetzt?
Nicht in jedem Fall, eine Tierklinik muss aber nachts dienstbereit sein. In Bayern genügt es, wenn ein Tierarzt in kurzer Zeit in der Klinik sein kann, und benachbarte Kliniken dürfen sich den Dienst teilen. Rufen Sie deshalb vor der Fahrt an.
Ist eine Tierklinik teurer als eine Tierarztpraxis?
Nicht grundsätzlich, denn Tierklinik und Tierarztpraxis rechnen nach derselben Gebührenordnung für Tierärzte ab. Teurer wird es durch einen höheren Satz, durch Tage in der Klinik und durch Notdienstpreise. Ein Tag in der Klinik kostet für einen Hund 19,08 bis 57,24 Euro ohne Steuer.
Wie viele Tierkliniken gibt es in Deutschland?
In Deutschland gab es Ende 2025 laut Bundestierärztekammer 129 Tierkliniken und rund 10.385 Tierarztpraxen. Als Kliniken für Kleintiere waren 56 gezählt, ein Teil davon geschätzt. In Bremen und Sachsen-Anhalt gab es keine Tierklinik.
Wann schickt mich mein Tierarzt in eine Tierklinik?
Ihr Tierarzt überweist Ihr Tier in eine Tierklinik, wenn er es selbst nicht behandeln kann. In Bayern und Westfalen-Lippe ist er dazu nach der Berufsordnung verpflichtet. In Bayern gibt er die erhobenen Befunde dann an die Klinik weiter.
